Es gibt sie noch:
Analoge Telefonanlagen im digitalen Zeitalter
Analoge Telefontechnik gilt vielfach als überholt. Dennoch existieren in Österreich noch immer mehrere hunderttausend analoge Telefonanschlüsse. Für Privatanwender, kleinere Unternehmen, Werkstätten oder Vereine kann eine einfache analoge Telefonanlage deshalb auch heute noch eine interessante und kostengünstige Lösung darstellen.
Eine günstige Mini-PABX aus China im Praxistest
Analoge Telefonanschlüsse gibt es noch immer
In Österreich gibt es laut Angaben der RTR – ohne Berücksichtigung von M2M-Anschlüssen – noch rund 500.000 analoge Telefonanschlüsse, auch wenn ihre Zahl kontinuierlich zurückgeht. Etwa acht Prozent davon entfallen auf Businessanschlüsse. Der überwiegende Rest wird als Privat- beziehungsweise Residential-Anschluss geführt.
Anders als man zunächst vermuten könnte, werden solche Residential-Produkte nicht ausschließlich von Privatpersonen genutzt. Auch kleinere Unternehmen, Freiberufler und neu gegründete Start-ups entscheiden sich mitunter bewusst gegen einen Businessanschluss. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte der meist höhere Preis professioneller Geschäftskundenprodukte sein.
Businessanschlüsse bieten durchaus Vorteile. Dazu gehören beispielsweise eine höhere Entstörpriorität, kürzere Reaktionszeiten und damit in der Regel eine bessere Verfügbarkeit. Wer seine laufenden Betriebskosten jedoch möglichst niedrig halten möchte oder muss, kann mit einem günstigeren Residential-Produkt durchaus das Auslangen finden.
Solange lediglich ein einziges analoges Telefon angeschlossen werden soll, stellt das normalerweise kein Problem dar. Schwieriger wird es, sobald mehrere Telefonapparate oder Nebenstellen benötigt werden.
Wenn ein analoger Anschluss nicht mehr ausreicht
Bei modernen Internetanschlüssen wird das analoge Telefon üblicherweise direkt am Router oder an der vom Provider bereitgestellten WLAN-Box angeschlossen. Diese Geräte verfügen meist nur über einen oder zwei analoge Telefonanschlüsse.
Soll der vorhandene Provider-Router aus Kostengründen weiterverwendet werden und werden gleichzeitig mehrere analoge Nebenstellen benötigt, kommt eine zusätzliche analoge Telefonanlage ins Spiel. Im englischen Sprachraum werden solche Systeme häufig als PABX beziehungsweise PBX bezeichnet.
Leider haben die meisten europäischen Hersteller klassische analoge Telefonanlagen mittlerweile aus ihrem aktuellen Produktprogramm genommen. Auf Plattformen wie eBay oder verschiedenen Kleinanzeigenportalen lassen sich zwar noch gebrauchte Geräte finden. Vereinzelt dürften auch Computer- oder Telekommunikationshändler über ältere Lagerbestände verfügen.
Solche „Ladenhüter“ werden jedoch nicht immer zu einem attraktiven Preis angeboten. Wer konsequent auf niedrige Betriebskosten achtet, wird vermutlich kaum bereit sein, deutlich mehr als 100 Euro in eine einfache analoge Telefonanlage zu investieren.
Genau das war für mich der Anlass, im Internet nach einer preisgünstigen und dennoch brauchbaren Lösung zu suchen.
Auf der Suche nach einer günstigen PABX
Wie zu erwarten, wurde ich bei chinesischen Onlinehändlern schnell fündig. Dort wird eine ganze Reihe kleiner analoger Telefonanlagen angeboten. Die günstigsten Modelle sind bereits für weniger als 30 Euro erhältlich.
Da ich das Risiko eines völligen Fehlkaufs möglichst gering halten wollte, entschied ich mich für eine Mini-PABX des Herstellers Excelltel Technology Co., Ltd. bzw. der baugleichen Analge der Firma Shenzhen Vintelecom Technology Co., Ltd. Das von mir ausgewählte Modell ist für drei Amtsleitungen und acht analoge Nebenstellen ausgelegt.
Die Anlage wird auch in kleineren Varianten mit nur einer oder zwei Amtsleitungen angeboten. Ich entschied mich dennoch für die Ausführung mit drei Amtsanschlüssen, da sie bei nur geringen Mehrkosten deutlich mehr Einsatzmöglichkeiten bietet.
Der Hersteller machte auf mich zunächst einen seriösen Eindruck und verweist unter anderem auf eine Zertifizierung nach ISO 9001. Der Kaufpreis von rund 33 Euro erschien ebenfalls angemessen.
Weniger erfreulich waren die Versandkosten von etwas mehr als 22 Euro. Chinesische Händler hatten ihre Kundschaft über viele Jahre mit kostenlosem oder ausgesprochen günstigem Versand verwöhnt. Im Vergleich zu den teilweise sehr hohen Transportkosten aus den USA sind die chinesischen Versandpreise allerdings noch immer moderat.
Die Lieferung dauerte einschließlich Zollabwicklung etwas mehr als zwei Wochen.
Einfuhrkosten nicht unterschätzen
Beim Kauf außerhalb der Europäischen Union sollten die zusätzlichen Einfuhrkosten von Anfang an berücksichtigt werden. Neben der Einfuhrumsatzsteuer können je nach Warenart, Versandweg und Abwicklung weitere Gebühren anfallen.
In meinem Fall summierten sich Kaufpreis, Versandkosten, Steuern und sonstige Abgaben auf insgesamt rund 69 Euro. Damit war die Anlage zwar deutlich teurer, als der ursprüngliche Angebotspreis vermuten ließ, blieb aber dennoch in einem vertretbaren Rahmen.
Der Hersteller bietet selbstverständlich auch größere Stückzahlen an. Bei entsprechenden Abnahmemengen sinkt der Stückpreis auf ungefähr 28 Euro. Zudem besteht offenbar die Möglichkeit, die Geräte mit einem eigenen Markennamen beziehungsweise Logo versehen zu lassen.
Ein fiktiver Name wie „International Business Communications“, kurz IBC, klingt zwar zunächst professionell. Vor einer tatsächlichen Verwendung sollten jedoch unbedingt bestehende Markenrechte geprüft werden. Die Abkürzung IBC ist beispielsweise bereits durch die bekannten „Intermediate Bulk Container“ weit verbreitet.
Vielleicht wäre eine Bezeichnung wie „Ländle Telecommunications Industry“, kurz LTI, ohnehin die originellere Lösung.
Erster Eindruck der Telefonanlage
Nachfolgend möchte ich meine bisherigen Eindrücke und Erfahrungen mit der Anlage schildern.
Auf dem Gerät befindet sich eine CE-Kennzeichnung. Damit erklärt der Hersteller grundsätzlich, dass das Produkt die einschlägigen europäischen Anforderungen erfüllt. Die Kennzeichnung ist allerdings nicht mit einem unabhängigen Qualitätssiegel gleichzusetzen.
Der Hersteller gewährt nach eigenen Angaben eine einjährige Garantie. Bei Direktimporten aus China sollte jedoch bedacht werden, dass die praktische Abwicklung eines Garantiefalls aufwendig sein kann. Rücksendekosten, längere Transportzeiten und eine mögliche erneute Einfuhrabwicklung können den Austausch eines günstigen Gerätes wirtschaftlich schnell unattraktiv machen.
Solider äußerer und innerer Aufbau
Der erste äußere Eindruck ist positiv. Die Telefonanlage besitzt ein stabiles Kunststoffgehäuse und wirkt ordentlich verarbeitet.
Auch der innere Aufbau hinterlässt einen durchaus guten Eindruck. Die Elektronik ist übersichtlich angeordnet und vergleichsweise servicefreundlich gestaltet. Besonders interessant ist die konventionelle Stromversorgung mit Netztransformator, Gleichrichter und Linearregler.
Die Anlage verwendet also kein einfaches Schaltnetzteil, wie es heute bei vielen günstigen Geräten üblich ist. Das kann insbesondere im Umfeld empfindlicher Funk- und Kommunikationstechnik von Vorteil sein, da schlecht konstruierte Schaltnetzteile mitunter erhebliche hochfrequente Störungen verursachen.
Auch die verwendeten SMD-Bauteile besitzen noch Abmessungen, die Reparaturen mit geeignetem Werkzeug grundsätzlich ermöglichen. Ein Mikroskop ist für viele Arbeiten nicht zwingend erforderlich.
Einen Schaltplan legt der Hersteller allerdings nicht bei. Das ist heutzutage leider üblich, für technisch interessierte Anwender und Reparaturbetriebe aber dennoch bedauerlich. Vielleicht findet im Laufe der Zeit noch eine entsprechende Dokumentation den Weg ins Internet.
Realistisch betrachtet dürfte sich bei einem derart niedrigen Gerätepreis allerdings kaum jemand die Zeit nehmen, eine aufwendige Fehlersuche oder Reparatur durchzuführen. Wirtschaftlich wäre in vielen Fällen der Austausch des kompletten Gerätes günstiger.
Bedienungsanleitung und Programmierung
Zum Lieferumfang gehört eine 43-seitige Bedienungsanleitung. Das englischsprachige „User’s Manual“ ist insgesamt verständlich geschrieben und beschreibt sowohl die grundlegende Installation als auch die Programmierung der Anlage.
Wie bei klassischen analogen Telefonanlagen üblich, werden viele Einstellungen über Zahlencodes vorgenommen, die an einer Nebenstelle eingegeben werden. Diese Art der Konfiguration wirkt aus heutiger Sicht etwas altmodisch, funktioniert aber zuverlässig und kommt ohne zusätzliche Software oder Netzwerkverbindung aus.
Für Anwender, die bisher nur moderne Router-Oberflächen kennen, kann die Programmierung zunächst etwas gewöhnungsbedürftig sein. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit ist das Prinzip jedoch gut nachvollziehbar.
Günstige analoge Telefone
Wer zusätzlich analoge Telefonapparate benötigt, wird bei chinesischen Onlinehändlern ebenfalls schnell fündig. Einfache Tischtelefone werden teilweise bereits für drei bis fünf Euro angeboten.
Problematisch sind jedoch häufig die Versandkosten für einzelne Geräte. Wirtschaftlich interessant wird der Kauf daher meist erst bei größeren Mengen von zehn oder mehr Apparaten. Für einzelne Telefone lohnt sich eher ein Blick auf lokale Gebrauchtmärkte, Flohmärkte oder vorhandene Altbestände.
Analoge Telefone haben zudem den Vorteil, dass sie in der Regel keine eigene Stromversorgung benötigen. Die Versorgung erfolgt direkt über die Teilnehmerleitung der Telefonanlage. Das macht sie einfach, robust und vergleichsweise ausfallsicher.
Erstaunlicher Funktionsumfang
Der Funktionsumfang der kleinen PABX ist für diese Preisklasse durchaus beeindruckend. Die wesentlichen Funktionen einer klassischen Nebenstellenanlage sind vorhanden.
Dazu gehören unter anderem:
- interne Gespräche zwischen den Nebenstellen,
- Weiterverbinden eingehender Anrufe,
- Vermittlung von Amtsgesprächen,
- Sammelruf beziehungsweise Rufverteilung,
- verschiedene Berechtigungen für externe Gespräche,
- programmierbare Amtszugänge,
- Halten und Rückfragen,
- unterschiedliche Betriebs- und Rufmodi.
Den vollständigen Funktionsumfang im Detail zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Interessierte können die Bedienungsanleitung im Internet suchen und sich dort ein genaueres Bild von den Möglichkeiten machen.
Gemessen am Kaufpreis bietet die Anlage jedenfalls ein bemerkenswert gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Die Alternative: Router mit integrierter Telefonanlage
Der Vollständigkeit halber soll auch eine modernere Alternative erwähnt werden.
An einem Residential-Anschluss kann beispielsweise eine FRITZ!Box eingesetzt werden. Viele FRITZ!Box-Modelle enthalten bereits eine integrierte Telefonanlage und unterstützen das SIP-Protokoll. Dadurch können sowohl klassische analoge Telefone als auch moderne IP-Telefone betrieben werden.
Je nach Modell lassen sich darüber hinaus externe SIP-Telefonanlagen, DECT-Mobilteile und weitere Telefoniegeräte einbinden.
Diese Lösung ist komfortabel und technisch zeitgemäß, verursacht jedoch höhere Anschaffungskosten. Einfache SIP-Telefone sind zwar mittlerweile ab etwa 40 bis 50 Euro erhältlich, kosten damit aber noch immer ein Vielfaches eines günstigen analogen Apparates.
Auch eine hochwertige FRITZ!Box ist deutlich teurer als eine kleine analoge Telefonanlage. Wer weder in einen neuen Router noch in mehrere SIP-Telefone investieren möchte, kann daher mit einem günstigen Residential-Anschluss und einer analogen PABX durchaus eine brauchbare und wirtschaftliche Lösung realisieren.
Fazit
Persönlich bin ich sowohl aus technischer als auch aus praktischer Sicht von meinem A1-Businessanschluss überzeugt. Auch wenn dieser auf den ersten Blick höhere laufende Kosten verursacht, möchte ich auf die damit verbundenen Vorteile nicht verzichten.
Das liegt vermutlich auch daran, dass Telekommunikation für mich nicht nur notwendige Infrastruktur, sondern zugleich ein interessantes technisches Hobby ist. Ich werde meinen A1-Businessanschluss daher weiterhin nutzen und mich auch künftig an meiner selbst aufgebauten SIP-Telefonanlage erfreuen.
Dennoch ist es vollkommen nachvollziehbar, bei der Wahl eines Anschlusses Kosten und Nutzen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Nicht jeder Anwender benötigt garantierte Entstörzeiten, mehrere Rufnummern, professionelle Supportleistungen oder eine komplexe IP-Telefonanlage.
Für kleinere Betriebe, Freiberufler, Vereine, Werkstätten oder kostenbewusste Privatanwender kann eine einfache analoge Telefonanlage deshalb auch heute noch eine interessante Lösung darstellen.
Analoge Telefontechnik ist möglicherweise nicht mehr modern. Sie ist jedoch robust, leicht verständlich und mitunter erstaunlich vielseitig. Gerade dort, wo geringe Kosten und eine unkomplizierte Bedienung im Vordergrund stehen, hat sie nach wie vor ihre Berechtigung.
Transparenzhinweis
Ich verkaufe weder Telefone, Telefonanlagen noch Telekommunikationsdienstleistungen. Es bestehen auch keine wirtschaftlichen oder sonstigen geschäftlichen Verbindungen zu den in diesem Beitrag genannten Unternehmen.
Die beschriebene Telefonanlage von Shenzhen Vintelecom Technology Co., Ltd. habe ich regulär über die chinesische Handelsplattform Alibaba erworben und selbst bezahlt.
Meine Absicht besteht ausschließlich darin, aufzuzeigen, dass sich auch in Zeiten steigender Kosten mit einem überschaubaren Budget noch interessante und technisch brauchbare Lösungen realisieren lassen.
GNU
Anmerkung: Für die in diesem Beitrag angeführten Markennamen, Firmennamen und Warenzeichen gilt: Alle Rechte liegen bei den jeweiligen Inhabern.
